Montag, 13. November 2017

Alpin Journal: "Stop or Go" - eine Entscheidungsstrategie von ges...

Alpin Journal: "Stop or Go" - eine Entscheidungsstrategie von ges...: Auf der Suche nach dem Königsweg der "Lawinenentscheidung" - Gedanken zur Podiumsdiskussion bei der Alpinmesse in Innsbruck Mi...

"Stop or Go" - eine Entscheidungsstrategie von gestern?



Auf der Suche nach dem Königsweg der "Lawinenentscheidung" - Gedanken zur Podiumsdiskussion bei der Alpinmesse in Innsbruck

Mit Stefan Beulke, Jurist und Berg- und Skiführer aus Deutschland, sowie Jürg Schweizer vom SLF in Davos war diese Diskussion hervorragend besetzt. Dazu kamen noch die bekannten Vertreter von den Naturfreunden Martin Edlinger und dem ÖAV Michael Larcher, sowie von den Skilehrern Markus Kogler und als Profi Bergführer Michi Andres -  klar war meine Erwartung in die Veranstaltung hoch gesteckt, zumal sie von einem ausgezeichneten Profi, Peter Plattner, moderiert wurde.

Windspiele im Gosaukamm - einem Paradies für Freerider

Stefan Beulke wies in seinem Eröffnungsstatement darauf hin, dass er im Zuge einer Recherche sage und schreibe 26 verschiedene Methoden bzw. Strategien zur Entscheidungshilfe in Punkto Lawine gefunden habe.

Peter Plattner setzte darauf als Ziel der Veranstaltung fest, die Frage zu beantworten, ob es unter den Experten eine gemeinsame Basis zur Entscheidungshilfe gäbe, oder eben nicht. Zitat: "Der Diskurs, ob der probabilistische, analytische oder intuitive Ansatz zu den besten Entscheidungen führt, wird je nach Land, Ausbildungsorganisation und vorherrschender Lehrmeinung sehr kontrovers geführt."


Der aufmerksame Leser merkt hier sofort, die Alpinwissenschafter bzw. Experten in Innsbruck wissen sich für jederman "leicht verständlich" auszudrücken.

Hier eine Übersetzung für Bergsteiger, die nicht der Gilde der "Alpinwissenschafter" angehören:
probabilistisch - wahrscheinlich;  analytisch - zerlegend, rational; intuitiv - Entscheiden ohne bewusster Schlussfolgerung, aus dem Unterbewusstsein.

Klarerweise drehte sich die Diskussion im Wesentlichen dann darum, dass jeder Vertreter seine Methode beschrieb und auch verteidigte. Für mich war auch sehr interessant, wie der eine oder andere Diskutant mit etwaiger Kritik umgehen konnte oder eben nicht!

Für mich neu war allerdings die Tatsache, dass Jürg Schweizer - d e r  Lawinenprognoseexperte schlechthin vom SLF Davos, öffentlich bestätigte, dass eine Beurteilung eines einzelnen Hanges mit dem Lawinenlagebericht n i c h t möglich sei.


Wenn man dann noch in Betracht zieht, dass 25% aller Lawinenlageberichte falsch sind, so ist es kein großer Schritt zur Tatsache, dass Methoden, die als "Input" den Lawinenlagebericht bzw. die Gefahrenstufe haben, als "Output" keine besseren Ergebnisse liefern können.

Wie sinnvoll ist es dann, eine Strategie anzuwenden, die als wesentlichen Input die Warnstufe aus dem Lawinenlagebericht hat?

Wir haben also auf der einen Seite die breite Masse der mehr oder weniger durchschnittlichen Anwender bzw. Tourengeher die nach einer einfachen ja/nein Strategie lechzen, und auf der anderen Seite einige wenige "Experten", die sich uneinig über die eine oder ander Methode zur Entscheidungsfindung sind. Dahinter stehen dann noch die Leute die die Lawinenberichte und Warnstufen erstellen, und die davor warnen, den Lawinenlagebericht als absolute Grundlage für Entscheidungen zu nehmen.
Tourenplanung im Wohnzimmer, am besten mit Fernglas

Es entstand in der Vergangenheit zunehmend das Problem, dass sämtlich Methoden dem durchschnittlichen Anwender suggerieren, dass man die Lawinengefahr genau berechnen oder einstufen könne. Mit der Grundlage der jeweiligen Warnstufe und exakten dazu passenden Verhaltensregeln wird dieses Gefühl sogar noch verstärkt. Es scheint mir, dass diese Entwicklung ausbildungstechnisch in einer Sackgasse gemündet hat! (Holzweg)

Bei gleichzeitiger Warnung von Experten, dass es "nix genaues gibt", führt das zunehmend zu einer Verunsicherung aller Anwender. Die Erfinder der einen oder anderen Entscheidungsstrategie verteidigen ihre eigene oder verteufeln andere Stratgien und agieren zunehmend an ihrer Zielgruppe, dem durchschnittlichen Bergsteiger vorbei. Stichwort: Fremdwörter Orgie!


Zwischen Lawinenlagebericht und Anwender werden also Vehikel der Entscheidungsstrategie zwischengeschaltet (Snow Card, Stop or go usw.), die eine falsche Entscheidungs - Sicherheit suggerieren. Spricht man mit den Leuten von den Lawienenwarndiensten, so bekommt man rasch die Bestätigung, dass eine Lawinen Prognose (Lawinenlagebericht) wesentlich schwieriger zu erstellen ist, daher auch viel ungenauer,  als etwa ein Wetterbericht.

Niemand würde auf die Idee kommen, auf Grundlage des Wetterberichts eine Strategie zu entwickeln, die dann mehr oder weniger bindend die Entscheidung suggeriert ob man nun "stoppt oder doch weitergeht". Jedem ist sofort klar, dass der Wetterbericht nur eine grobe Planungshilfe ist, und kleinräumig selbstverständlich stimmen kann - oder eben auch nicht. Dass man eben selbst seine Nase in den Wind halten muss, um zu sehen, was draussen in der Natur los ist.

Was heisst das jetzt zusammengefasst? Ich hatte den Eindruck, dass die Lawinenexperten, die den Lawinenlagebericht erstellen, nicht wirklich mit der Entwicklung glücklich sind, dass ihr Lawinenlagebericht bzw. die prognostizierte Stufe, immer mehr als "Maß der Dinge" gilt.

Mit der öffentlich festgestellten These, dass eine Prognose für den Einzelhang nicht möglich ist, dazu die Tatsache, dass jeder 4. Lagebericht sowieso falsch ist, sind für mich sämtliche Entscheidungs - Strategien, die mit der Grundlage Lawinenlagebericht arbeiten, hinfällig geworden.

Um über Fachintuition zuverlässige Entscheidungen fällen zu können, muss man sich rund 10 Jahre hauptberuflich mit einer Materie befassen. Da wir nur im Winter Skitouren gehen können, heisst das mindestens 20 Jahre unterwegs sein, und das hauptberuflich. Erst dann hat man den nötigen "input" im Gehirn um die Muster der "Faustregeln", mittels derer solche Entscheidungen funktionieren, auch abrufen zu können.  Damit scheidet diese Methode für durchschnittliche Anwender von vornherein aus.

Einschränkend vielleicht, dass die eine oder andere Methode als Planungsgrundlage sicherlich ihren Nutzen beweist. Der Lawinenlagebericht hat natürlich nach wie vor  für mich einen sehr wichtigen Stellenwert, aber in etwa selbigen, wie der Wetterbericht für Bergtouren im Sommer.

Unsere Erde ist rund und sie dreht sich weiter. Was gestern der neueste Schrei war, kann sich vielleicht etablieren, aber ebenso von der wissenschaftlichen Entwicklung überholt werden. Man denke nur etwa an die Entwicklung von Handys. Wie schnell die ersten Modelle überholt waren und zum Beispiel Nokia praktisch vom Markt verschwand.

Ich glaube, dass in Zukunft Strategien entwickelt werden, die unabhängig vom jeweiligen Lawinenlagebericht vom Anwender als Einschätzhilfe angewandt werden können. Sie sollten aber jedem klar machen, dass es sich eben um ein Schätzverfahren mit Restrisiko handelt und nicht um eine klare Warnstufe oder gar um eine "Risikoampel". Wer halbwegs sicher im winterlichen Gebirge unterwegs sein will, kommt um eine umfassende Ausbildung und Beschäftigung mit der komplizierten Materie der Schnee- und Lawinenkunde also so oder so nicht herum.

Das große Abenteuer "Winter in der Natur" wird auch in Zukunft nur mit einer gewissen Risikotoleranz möglich sein - und ich finde das ist gut so!



Dienstag, 10. Oktober 2017

Alpin Journal: Francek Knez - oder Gedanken zum Tod eines der l...

Alpin Journal: Francek Knez - oder Gedanken zum Tod eines der l...: Wer war nun Francek Knez? "Knez wer?", höre ich einen Freund von mir sagen. Mein Freund, ist so ein typischer "Athleten Kle...

Francek Knez - oder Gedanken zum Tod eines der letzten "Helden der Berge"

Wer war nun Francek Knez?

"Knez wer?", höre ich einen Freund von mir sagen. Mein Freund, ist so ein typischer "Athleten Kletterer", groß geworden in einer der wie Schwammerl aus dem Boden schießenden Kletterhallen. Mit "Abenteuer Klettern", oder dem "großen Bergsteigen" hat er laut Eigenaussage nicht viel am Hut. Geklettert wird heute in viel höheren Schwierigkeitsgraden, von blitzenden Bolt zu Bolt, völlig ohne Angst und Abenteuer.

Und anstatt - wie ich - Erlebnis Literatur über wilde Bergtouren und Erstbegehungen zu verschlingen, wird intensiv nach den neuesten Trainingsapps gegoogelt und diese dann am Smartphone installiert.

Ist es ein Generationsunterschied? Oder wurde die "Alpine Heldenliteratur" auch früher eher selten verschlungen, und bin ich mit meinem Interesse daran eine eherne Ausnahme, ein exotisches Faktotum so zu sagen?
Anica Kuk

Meinen ersten Kontakt mit dem Namen des slowenischen Bergsteigers hatte ich Anfang der Achtziger Jahre. Die steirische Bergsteigerszene war damals recht viel im "yugoslawischen Yosemite", der Schlucht des Paklenica Nationalparks im kroatischen Velebitgebirge, unterwegs. Man konnte schon damals hier die Saison verlängern und Klettern an einem unvergleichlichen Fels mit dem Meer kombinieren.
Knez in einem patagonischen Sturm

Kaca, die Schlange, heisst die Route, die heute mit 6a + (entspricht ca. VII -) bewertet wird. In unseren Topos von damals war die Route jedoch mit V+ bewertet. Sie zieht durch den rechten Teil der NW Wand am Anica Kuk, dem größten Gipfel der Region, immerhin rund 350 m hoch. Selbst mit dem damaligen Kletterstil, sich an allem und jedem fest zu halten bevor man "abging", ist uns die Route enorm schwer gefallen. Klar, es gab in dem Gebiet noch keine Bohrhaken und die paar Schlaghaken die es gab, waren vom Rost in einzelne hauchdünne Schichten zerfressen, würden einem Sturz also kaum widerstehen. Und ein Blick auf die messerscharfen Felskanten an jeder Ecke vertrieb automatisch jegliche Risikobereitschaft. Mit Keilen, Schlingen, Hexentrics und Schnüren kämpften wir uns irgendwie höher. Wenn das V+ sein soll.....Knez eben.

Später (1988), wir waren mittlerweile schon in Patagonien klettern, begegnte mir der Name Knez während meiner Vorbereitungen zu einem Klettertrip zum Cerro Torre. Der Name Knez stand 1983 in Verbindung mit der Erstbegehung der Route Devils Dihedral am Fitz Roy, 1986 dann mit der Direttissima an der Cerro Torre Ost- Wand und im Herbst 1986 gelang Knez mit der Route Psycho Vertical am Torre Egger ein absolutes Highlight des internationalen Bergsteigens. Diese Route wurde erst 2016, also genau 30 Jahre später, wiederholt. Logischerweise haben "Knez Routen" mittlerweile einen entsprechenden Nimbus rund um die Welt bekommen.

Zwischenzeitlich hat Francek Knez noch eine Neutour durch den östlichen Teil der Eiger Nordwand gemacht und noch vor Thomas Bubendorfer einen Speed Rekord in rund 6 Stunden durch die klassische Heckmaier Route aufgestellt. Neben der Neutour am Eiger gelangen Knez noch weitere Erstbegehungen an allen drei großen Gipfeln der Alpen, dem Matterhorn und der Grand Jorasses.
Selbstverständlich gibt es auch in den Dolomiten, von Tofana über Marmolada bis zu den Drei Zinnen "Knez Touren".

In seinen heimatlichen Bergen in Slovenien hinterließ der emsige Neuerschließer hunderte Erstbegehungen. Neben den großen Felsrouten und kombinierten Touren zog es Francek Knez auch in die hohen Berge des Himalaja und Karakorum.
Nameless Tower, Pakistan

Unvergessen ist die gewaltige Linie der Slowenenführe durch die Südostwand  am Nameless Tower (ca. 6200m) im Karakorum. Ein Jahr nach der Erstbegehung wurde diese Route von den Deutschen Wolfgang Güllich und Kurt Albert frei geklettert und 7 a + bewertet.....
Zwei ähnliche Routen gelangen Francek Knez mit seinen Freunden auch im indischen Garhwal Himalaja und auch am Bagirathi II

Die meisten Routen bzw. Expeditionen unternahm Franzek Knez mit seinen Freunden Silvo Karo und Janez Jeglic.

in Bildmitte Mt Everest, der Westgrat im Zentrum zum Betrachter

1979 dann die Teilnahme an einer Mt. Everest Expedition. Es handelt sich hier um jene Expedition, bei der der gesamte direkte Westgrat des Mt. Everests erstbegangen wurde. Wenn man das Gelände vom Basislager über den Lo La Pass hinauf zur Westschulter des Mt. Everest jemals persönlich begutachten konnte, so kann man die Leistung dieser Expedition in bergsteigerischer und logistischer Hinsicht erst richtig einschätzen. Knez war allerdings nicht Teil der Gipfelmannschaft.
1981 dann nahm Franzek Knez an der Lhotse Expedition teil, der der eigentliche erste Durchstieg durch die gewaltige Lhotse Südwand gelang. Die Expedition erreichte zwar den Grat, aber nicht den Lhotse Gipfel. Neben dem Kantsch (Gipfel) gelang es ihm noch am Broad Peak bis 7500m und am Cho Oyu bis 7700 m zu kommen.

Der emsige Erstbegeher (730 Routen um genau zu sein!) Knez hinterließ auch in Peru und im kalifornischen Yosemite seine Spuren.

Eigentlich ist es völlig unverständlich, dass ein derartig erfolgreicher Bergsteiger in der Öffentlichkeit kaum bekannt ist. Nicht umsonst nannte man den Slowenen auch der "Stille Bergsteiger". Umso bemerkenswerter erscheint es für mich, dass dieser so aktive Mensch noch seinen Beruf in einer Fabrik nachgegangen ist und daneben noch Zeit für so viele Bergtouren und natürlich auch Trainingseinheiten finden konnte.

Die genauen Umstände seines Todes sind nicht bekannt. Aber er dürfte 25 m abgestürzt sein......

Dies macht mich sehr, sehr nachdenklich. Zweifellos war Knez einer der besten Bergsteiger aller Zeiten. Für mich gehört Bergsteigen und Abenteuer zusammen und damit natürlich auch eine gewissen Risikobereitschaft. Mit dem Alter und der Erfahrung - so sollte man Meinen - bewahrt einen eben diese Erfahrung vor fatalen Ereignissen. Verschiedene Vorfälle bzw. Unfälle von sehr erfahrenen Bergsteigern, ja sogar Profis, in den letzten Jahren haben aber gezeigt, dass man einfach immer aufpassen muss.









Dienstag, 19. September 2017

Alpin Journal: Vorakklimatisieren - geht denn das?

Alpin Journal: Vorakklimatisieren - geht denn das?: Seit geraumer Zeit geistern immer wieder Meldungen durch die diversen Medien, dass man durch vorheriges Akklimatisieren die Länge von Bergre...

Vorakklimatisieren - geht denn das?

Seit geraumer Zeit geistern immer wieder Meldungen durch die diversen Medien, dass man durch vorheriges Akklimatisieren die Länge von Bergreisen in große Höhe verkürzen könnte.

Vor einer Elbrus Besteigung schnell noch den Großglockner besteigen, und schon stellt die Höhe kein Problem - und schon gar keine Gefahr - mehr dar. Ein paar Tage in einem Sauerstoffzelt verringern die Akklimatisierung für den Kilimandscharo auf 2 Tage - Oder: Einige Wochen in einem Sauerstoffzelt schlafen, und schon ist der Mt Everest in 3 Wochen gefahrlos zu besteigen.....
Sonnenaufgang am höchsten Punkte der Welt
Pause mit dem Makalu im Hintergrund

Was ist da los? Hat sich die Physiologie der Menschen kurzerhand geändert? Oder waren alle, die sich wochenlang seriös auf ihre Expeditionen vorbereitet haben tatsächlich so unerfahren?

Jahrzehntelange Erfahrung mit Gästen in großen Höhen, ja sogar auf vier Expeditionen zum Mt. Everest, haben mich eines gelehrt: Du kannst deinen Körper niemals überlisten. Man benötigt ganz einfach - je nach Veranlagung - für eine Schlafhöhe über 3000 m, pro 1000 Höhenmeter eine Woche Zeit. Also um auf 5000 m  entspannt zu schlafen, ca. zwei Wochen Zeit. Ich selbst machte anläßlich meiner dritten Mt. Everestexpedition die Erfahrung, dass es mir umso besser - auch später in sehr großer Höhe - gegangen ist, je länger und sorgfältiger ich mich zwischen 3000 und 5000 m Höhe akklimatisiert habe. Damals sogar 12 Tage alleine in dieser Höhenlage.

Eine uralte Erfahrung unter Höhenbergsteigern ist, dass die einmal gemachte Akklimatisierung rund so lange Zeit anhält, wie man in der Höhe verbracht hat. Wenn ich also eine Woche durchgehend in großer Höhe verbracht habe, so hält dieser Zustand rund eine Woche an.
Hochlager am Cho Oyu

Wie in so vielen anderen Bereichen unserer modernen Gesellschaft ist (leider) auch in der Medizin die "Geschäftemacherei" angekommen. Und offenbar nicht nur in der Pharmabranche. Diverse "Höhenmediziner" bieten um teure Euro solche "Vorakklimatisierungen" an. Vergleicht man aber die Daten von seriösen medizinischen Studien - etwa Krebserkrankungen - so haben diese meist einige
hunderttausend Probanden. Daraus lassen sich dann relativ repräsentative Rückschlüsse auf den durchschnittlichen Menschen machen. Im Vergleich dazu gibt es bei höhenmedizinischen Tests meistens nur einige -zig Probanden. Meiner laienhaften Meinung nach, bzw. mein Hausverstand sagt mir, dass daraus noch keine wirklichen Rückschlüsse für die Allgemeinheit möglich sind.

Es gibt von Franzosen ein interessantes Projekt, wonach eine noch viel langsamere Akklimatisierung, als derzeit allgemein üblich, eine deutlich bessere Performance in extremer Höhe liefert.

Meiner Meinung nach ist die eigene Erfahrung und das Kennenlernen der eigenen körperlichen Reaktionen in der Höhe unumgänglich, will man seriös auf hohe Berge steigen und gesund wieder heimkommen.

Es gibt eben einfach keine Abkürzung zum Gipfel.

Auf der anderen Seite ist aber auch die Tatsache nicht wegzuleugnen, dass man sich leichter an die Höhe gewöhnen kann, wenn man diesen Prozess des Akklimatisierens öfter durchgemacht hat. Ein Hinweis darauf ist vielleicht auch, dass sich oft ältere Bergsteiger wesentlich leichter akklimatisieren als junge. Man kennt die eigenen Reaktionen und man lernt etwa mit der Tatsache des schlechten Schlafens besser umzugehen. In den letzten Jahren sind viele Bergsteiger immer häufiger innerhalb eines Jahres öfters über Wochen über 5000 Meter unterwegs. Natürlich kann man dann mental mit den Symptomen der Höhenanpassung besser umgehen, als wenn man nur einmal in einigen Jahren so hoch oben lebt.

Entgegen meinem Rat hat einer meiner Gäste vom Mt. Everest wochenlang vor der Expedition Zuhause in einem luftdichten "Höhensimulationszelt" geschlafen. Er wollte einfach perfekt vorbereitet auf die zwei monatige Expedition gehen. Untertags ist er aber ganz normal in seinem Alltag und Job gestanden. Die Erfahrung hat dann aber am Berg gezeigt, dass es ihm in der extremen Höhe der Hochlager um nichts besser gegangen ist, als den anderen Teilnehmern.

Ich denke, dass jeder seriöse Bergführer, der mit seinen Gästen in extreme Höhen steigt, diese nach besten Wissen und Gewissen beraten wird. Dazu gehört allerdings auch, dass man ungeeignete Teilnehmer ablehnt, bzw. einer entsprechenden Vorbereitung unterzieht und Bergreisen bzw. Expeditionen realistisch plant. Für potentielle Teilnehmer ist es aber auch in einer digitalisierten Welt  immer schwerer geworden, seriöse Veranstalter von solchen zu unterscheiden, die sich nur krampfhaft von der "Konkurrenz" unterscheiden wollen.




Donnerstag, 7. September 2017

Alpingeschichte und der Tod von Armando Aste

Eigentlich handelt es sich um einen doppelt traurigen Anlaß diesen Blog zu schreiben: Armando Aste, einer der ganz großen Kletterer aus der Zeit der "wilden 60 er Jahre" ist mit - immerhin - 92 Jahren gestorben. Und auf der anderen Seite hat heute kaum jemand eine Ahnung von alpinhistorischen Ereignissen und wichtigen Persönlichkeiten. So sehr der Klettersport boomt, so sehr vermisse ich auch eine intensive Beschäftigung vieler mit der Materie.
Armando Aste in Aktion

"Armando wer?" keinen Menschen ist der Name Aste heute ein Begriff! Weder ein Durchschnittskletterer und schon gar nicht ein Durchschnittsmensch auf der Straße kann mit dem Namen eines der besten Kletterer seiner Zeit etwas Anfangen. Und das finde ich traurig. Ich vertrete dabei eine heute als vielleicht sehr altmodische Meinung, aber immhin hat der Mann einige der berühmtesten Solos hingelegt (Franzosenführe an der Westl. Zinne Nordwand  um nur eine zu nennen), und mit der Via d l ideale an der Marmolada Südwand einen der ganz großen Dolomitenklassiker Erstbegangen. Nicht zu vergessen die Aste - Susatti Route in der Wand der Wände, der Civetta Nordwestwand. Die Route weist auch heute noch einen Schwierigkeitsgrad von VI + A 0 recht anhaltend und schwierig abzusichern auf.
International wurde Armando Aste durch zwei Abenteuer beaknnt. Er war mit seinen Freunden die erste italienische Seilschaft, der eine Besteigung der Eiger N- Wand glückte (1962) und er konnte mit seinem Team den südlichen Paine Turm in der Torres del Paine Gruppe im  chilenischen Teil Patagoniens Erstbesteigen. Dies war sicher einer der Meilensteine in dieser entlegenen Region.


Mein erster Kontakt mit dem Namen Aste war anläßlich einer unserer ersten Dolomitenfahrten. Es war irgendwann so Anfang der 80 er Jahre, stundenlang hatten wir im Kletterführer geschmökert und die Via del Ideale an der Marmolada zu unserem Ziel auserkoren. Unter Klettereren, vor allem den damals führenden Proponenten , galt diese Tour als Testpiece und perfekte Vorbereitung auf die damals modernen Extremtouren a la "Moderne Zeiten".

immerhin heute ca. 7

Als nicht so ideal fanden wir den bereits von weitem sichtbaren braunen Streifen, der direkt unter der Seilbahnstation vertikal genau in die ideale Kletterlinie unserer  geplanten Route verlief. Es wird doch nicht genau das WC der Seilbahn sein, das sich da am Beginn des besagten Streifens befindet....
So hatte eine "Errungenschaft der Technik", als das man eine Seilbahn ja auch sehen kann, eine Errungenschaft des Abenteuers - zumindest im oberen Teil entwertet. Mittlerweile hat sich eine Variante der Route durchgesetzt, bei der man neben dem unangenehmen braunen Streifen auch den unangenehmen Kamin der letzten Seillängen auf einem wunderbaren Pfeiler daneben umgeht.

Wir waren damals froh, dass wir lange in unseren Schlafsäcken auf der Plattform einer alten Stellung aus dem 1. Weltkrieg sitzen bleiben konnten, da es am nächsten Morgen in strömen Schüttete. Die Via del Ideale sind wir dann doch nicht geklettert, auch nicht mit der Umgehungsvariante im oberen Teil. Dafür gönnten wir uns einige Wochen später gleich die "Modernen Zeiten", aber das ist eine andere Geschichte.